Gemeinsam das Tempo erhöhen – der deutsche Hub zur Welt-Aids-Konferenz 2014

Während des GSSG-Hubs in Köln diskutierten ExpertInnen und das Publikum Ergebnisse der IAC 2014 (Foto: al)Während des GSSG-Hubs in Köln diskutierten ExpertInnen und das Publikum Ergebnisse der IAC 2014 (Foto: al)

Wie schon vor zwei Jahren holte die Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit (GSSG) ein Stück IAC nach Köln. Im Bürgerhaus Kalk diskutierte Moderatorin und GSSG-Stifterin Harriet Langanke am Mittwoch mit ExpertInnen und Interessierten über die Ergebnisse der Welt-Aids-Konferenz (IAC), die im Juli in Melbourne stattfand.

Die weite Reise und die hohen Teilnahmekosten hatten viele Interessierte davon abgehalten, nach Australien zu reisen. Auch von offizieller Seite gab es diesmal keinen deutschen Stand bei der IAC. „Umso wichtiger ist es, die Konferenz aus deutscher Sicht mit Hilfe von Fachleuten auswerten“, sagte Veranstalterin Harriet Langanke.

Fast 50 Interessierte und Fachleute aus dem Gesundheitswesen nahmen an der Mini-Konferenz zur IAC teil, welche vom 20. bis 25. Juli 2014 rund 13.000 TeilnehmerInnen nach Melbourne gebracht hatte.

Gleich zu Beginn der Diskussion stellten die Kölner HIV-Ärztin Nazifa Qurishi und der Berliner HIV-Arzt Heiko Jessen fest, dass Welt-Aids-Konferenzen wichtig für die persönliche Begegnung von Menschen sind, von Community und Wissenschaft: „Solche Konferenzen dienen der Vernetzung und damit auch der besseren Behandlung von Menschen und ihrem Zugang zu Medikamenten“, erklärte Heiko Jessen. Nazifa Qurishi bekräftigte, dass die Welt-Aids-Konferenz viele Möglichkeiten für ExpertInnen bietet, sich über neueste Forschungsergebnisse auszutauschen. „Als Delegierte fühlten wir uns sehr willkommen in Melbourne“, war der Eindruck des Filmemachers Nicholas Feustel aus Hamburg, der den Hub mit Filmmaterial aus Australien und von der IAC bereicherte.

Wie schon 2012 gab es auch diesmal wieder großen Diskussionsbedarf zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) zum Schutz vor HIV-Infektionen. Während die PrEP in Ländern wie den USA bereits zugelassen ist, nehmen in Deutschland weder die Deutsche Aidshilfe (DAH) noch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bislang offiziell Stellung zu dieser Präventionsmaßnahme. ÄrztInnen verschreiben die PrEP nicht, weil sie nicht zugelassen ist. „In Deutschland nehmen Menschen die PrEP eher heimlich“, vermutet Heiko Jessen. Dabei wäre die PrEP für alle Menschen, die sich selbst vor HIV schützen wollen, ohne ein Kondom zu benutzen, eine ideale Ergänzung der modernen Präventionsmittel, erklärte Nicholas Feustel. Alle ExpertInnen befürchten, dass es für HIV-Medikamente zur PrEP bereits einen Schwarzmarkt gibt – obwohl PrEP-Nutzer mit einer ärztlichen Betreuung gut zu erreichen wären.

Silvia Salifou-Karegwa vom Netzwerk Frauen und Aids erinnerte an fehlende Gerechtigkeit in der Welt. Noch immer gebe es Millionen Menschen, die ohne HIV-Medikamente zurechtkommen müssen, während reiche Nationen über HIV-Medikamente als „Partydroge“ für Menschen ohne HIV zur Vorsorge diskutierten.

Tanja Gangarova von der DAH wies darauf hin, dass auch MigrantInnen und SexarbeiterInnen einen Bedarf an PrEP haben. Sie betonte, dass strukturelle Veränderungen in Deutschland nötig sind, um mehr Menschen eine HIV-Therapie zugutekommen lassen zu können – selbst wenn sie keinen Versicherungsschutz hätten.

Auch Frauen-Themen spielten eine wichtige Rolle in Melbourne, wie die Bilder der Women’s Networking Zone aus dem Global Village zeigten. Dennoch waren relativ wenige HIV-positive Frauen auf der IAC anzutreffen. Ulrike Haars, HIV-Ärztin aus Düsseldorf, berichtete, dass Frauen gerade in Deutschland einen großen Teil der Late Presenter ausmachten.



Der IAC-Hub war auch 2014 ein wichtiges Instrument, um Eindrücke der Konferenz zu vermitteln und internationale Diskussionen für Deutschland in Gang zu setzen. „Diese Konferenz-Nachlese zeigt den nach wie vor großen Diskussionsbedarf zu HIV“, stellte eine Diskussionsteilnehmerin am Ende des Hubs fest.

Die Gäste des Hub wurden mit einem stilechten Imbiss ganz im Zeichen Australiens versorgt. Bei Känguruspießchen, Okraschoten und Pavlova-Desserts riss die Diskussion um HIV-Behandlung und -Prävention sowie die neuen Hepatitis-Therapien auch in den Pausen nicht ab.


Materialien zum Hub

Filme von Nicholas Feustel

Vorträge

Pressemitteilungen

Flyer

Medienecho

  • In der Ausgabe 9 des Sex Work Digest im September 2014 wird unter dem Titel "Sex Workers at the IAC 2014 - Not the problem part of the solution" über SexarbeiterInnen auf der Welt-Aids-Konferenz 2014 in Melbourne berichtet. Zum Beitrag geht es hier.

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